„Könnte“, „würde“, „eigentlich“ stehen in der Hitrangliste der am meisten verwendeten Worte in Besprechungen und Präsentationen ganz oben. Leider! Denn sie machen jede noch so überzeugende Aussage, jedes noch so durchschlagende Angebot zunichte. Denn es sind rhetorische Weichmacher der schlimmsten Sorte.

Sie kennen selbst die Wirkung dieser Weichmacher, wenn jemand mit Ihnen spricht. Sie, als Zuhörer, nehmen diese Worte wahr und fragen sich z.B. „wo ist der Haken“ oder „warum ist mein Gegenüber nicht davon überzeugt“.

Keine verbotenen Worte

Natürlich sind diese Worte an und für sich nicht schlecht. Sie müssen auch nicht aus unserem Wortschatz verdammt werden. Das Kritische an diesen Worten ist der Zeitpunkt, an dem sie verwendet werden und die damit beim Zuhörer erzielte Wirkung.

Der Verursacher: unser Unterbewusstsein

Gerade die Worte „würde“, „könnte“ und „eigentlich“ baut unser Unterbewusstsein dann in unseren Sprachfluss ein, wenn wir unsicher sind. Unser Gehirn ist unheimlich clever. Es will uns davor schützen Dinge zu sagen, hinter denen wir nicht stehen.

Ob der Hintergrund nun die Unsicherheit in der Sache, die Angst vor Fehlern oder das Unwohlsein des Vortragenden im Angesicht einer großen Zuhörergruppe ist – das ist nebensächlich. Unsicherheit jeglicher Art äußert sich in schwachen Formulierungen und schwache Formulierungen sind die Brutkammer der rhetorischen Weichmacher.

Ist doch toll, dass unser Unterbewusstsein uns schützen möchte“, sagen Sie? Da haben Sie Recht. Aber nur zum Teil. Der Nachteil ist die beim Zuhörer erzielte Wirkung!

Wirkung beim Zuhörer

Sie kennen ganz sicher Ihre Reaktion, wenn Sie jemanden fragen, ob er eine Aufgabe erledigt hat und die Antwort lautet „eigentlich schon“. „Eigentlich schon“ ist eine ausweichende Antwort auf eine „Ja/Nein-Frage“. Es macht Sie stutzig und Sie fragen sich dann, was alles nicht erledigt wurde. Ihre nächste Frage ist dann sicherlich „und uneigentlich?“.

In Präsentationen werden Ihre Zuhörer jedoch nicht bei jedem rhetorischen Weichmacher nachfragen. Sie werden viele davon gar nicht bewusst wahrnehmen. Aber unbewusst! Am Ende denkt der Zuhörer dann „hört sich ganz gut an, aber mein Gegenüber scheint nicht ganz überzeugt zu sein“ oder gar „ich weiß nicht warum, aber ich glaube nicht, dass mein Gegenüber das hinbekommt“.

Wir haben als Zuhörer eine sehr sensible Wahrnehmung, die ganz automatisch abläuft und uns meistens gar nicht bewusst ist. Wenn wir jedoch die Aufgaben haben, unser Gegenüber zu überzeugen, dann müssen wir uns der Wirkung der Weichmacher bewusst sein – und sie vermeiden.

Weichmacher eliminieren

Drei Tipps, um unbewusst gesetzte Weichmacher zu vermeiden:

  1. Bereiten Sie Ihre Argumentation vor und zwar besonders die Teile, in denen Sie unsicher sind – dann verhindern Sie den Schutzreflex Ihres Unterbewusstseins
  2. Stellen Sie Ihre Argumente Kollegen oder Freunden vor und bitten Sie diese explizit darum, auf Weichmacher zu achten. Wenn Sie ein Weichmacher-Fan sind, dann sollen Ihnen diese Zuhörer bei Ihrer Proberunde bei jedem verwendeten Weichmacher ein nonverbales Signal geben (z.B. die Hand heben).
  3. Nehmen Sie sich selbst einmal auf Video auf und hören Sie sich Ihre Formulierungen an. Sobald Sie zu erkennen beginnen, welche Weichmacher Sie besonders gerne verwenden, können Sie Ihr Verhalten verändern. Diese Veränderung erfolgt in 3 Phasen.
    Phase 1: Sie erkennen Ihre Lieblings-Weichmacher durch Videoanalyse oder Rückmeldung von Kollegen und Freunden
    Phase 2: Sie werden zukünftig, während Sie sprechen, immer häufiger bemerken, dass Sie gerade wieder einen Weichmacher verwendet haben. Dann haben Sie ihn schon verwendet, aber das gehört in der Lernphase dazu.
    Phase 3: Sie werden durch die vorangehende Sensibilisierung zukünftig beim Sprechen bemerken, dass Sie wieder einen Weichmacher einsetzen wollen. Da Sie dies rechzeitig bemerken, können Sie ihn verhindern. Hier wird Ihr Unterbewusstsein wieder zum Freund und Helfer.

Sich selbst immer wieder einmal auf Video aufzeichnen und Kollegen um Mithilfe bitten ist ein zwingend notwendiger Teil Ihrer Fortentwicklung. Dann werden Sie  in Zukunft nicht mehr als rhetorischer Weichspüler sondern als überzeugter Kompetenzträger erscheinen – und dies auch wirklich sein.

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