Haben Sie schon einmal verzweifelt Ihre Sonnenbrille gesucht und auf Ihrem Kopf gefunden? Oder Ihren Hausschlüssel, der plötzlich doch in der schon durchsuchten Tasche war? Oder die Tippfehler, die Sie trotz 5-maligen Durchlesens immer noch nicht gefunden hatten, Ihr Kollege beim ersten Blick auf das Dokument jedoch schon?

Unsere Wahrnehmung

Unsere eigene Wahrnehmung spielt uns immer wieder einen Streich. Besonders wenn wir angespannt sind, unter Zeit- oder Erfolgsdruck stehen oder von anderen beobachtet werden.

Aus diesem Grunde kann es in der Vorbereitung einer Präsentation auch leicht passieren, dass Ihnen ganz offensichtliche Schwachstellen oder gar Fehler in der Argumentation nicht auffallen. Sie stecken mehrere Stunden Zeit in das Aufsetzen Ihrer Flipcharts und glauben, dass alles gut ist. Dann stehen Sie vor Ihrem Publikum und plötzlich rutscht Ihnen das Herz in die Hose, denn Sie finden keine Übergänge zwischen den Folien oder merken, dass die Inhalte gar nicht passen.

Blinder Fleck und wunder Punkt

Neben der eingeschränkten Wahrnehmung macht uns noch ein zweites Phänomen zu schaffen. Der sogenannte „blinde Fleck“.

Der „blinde Fleck“ ist ein guter Kumpel vom „wunden Punkt“ und manchmal tun sich beide auch verschwörerisch zusammen. Dann nämlich, wenn eine eklatante Schwachstelle in Ihrem Vortrag in einem von Ihnen ohnehin nicht so gern gemochtem Themenbereich liegt. Sie mögen das Thema nicht so sehr und gehen, auch in der Vorbereitung, lieber ganz schnell darüber hinweg. Ungünstig ist nur, dass dies später in Ihrem Vortrag dazu führen wird, dass Sie unsicher werden und Ihre Zuhörer Ihre Unsicherheit bemerken.

Vorsicht Falle: Lieblingsthemen

Ein zweiter Lieblingsort, an dem sich „blinder Fleck“ aufhält ist besonders gemein. Er versteckt sich gerne in unseren Lieblingsthemen. Wir sind uns unserer Sache so sicher, dass wir gar nicht groß darüber nachdenken, wie wir den Inhalt präsentieren.

Bitte nicht intuitiv

„Das mache ich dann intuitiv“, sagen Sie sich in der Vorbereitung. Doch Intuition erfordert einiges an Denkvermögen und das verlässt uns oft, sobald wir vor einer Gruppe stehen.

Hinzu kommt, dass wir in unseren Lieblingsthemen intensiv drinstecken und gar nicht mehr wissen, ob unser Publikum eigentlich verstehen kann, was wir sagen.

Stellen Sie sich doch einmal vor, Sie müssen einem absoluten Fahranfänger erläutern, wie er mit einem PKW aus einer Parklücke ausparkt. Sie sollen darlegen, was Sie alles machen: Was tun Sie alles, um langsam vorwärts zu fahren während Sie gleichzeitig auf den Verkehr achten und zudem nich auf den vor Ihnen parkenden Wagen auffahren? Wie genau machen Sie das, "langsam zu fahren"? Was machen Gas- und Kupplungsfuß, in welcher Abhängigkeit voneinander und wie merken Sie, ob Sie stärker auf das Kupplungs- oder das Gaspedal drücken müssen?

Ganz schön schwierig, alles zu erklären, oder? Jetzt denken Sie wieder an Ihre Fachthemen und daran, was Sie alles voraussetzen. Wird Ihnen bewusst, warum so mancher Zuhörer mit gerunzelter Stirn vor Ihnen sitzt?

Die Aufgabe in der Vorbereitung ist also folgende:

  1. Üben Sie jede Präsentation mindestens 2x trocken durch. Achten Sie besonders auf Start, Übergänge zwischen den Folien, Fazit und Schlussformulierung.
    Üben bedeutet übrigens: Sie sprechen laut vor sich hin und nutzen die Folien wie im eigentlichen Vortrag
  2. Fragen Sie sich bei fachlichen Inhalten immer, ob Ihr Zuhörer das wirklich verstehen kann. Sind Sie unsicher, fragen Sie einen Kollegen, Ihre Vorgesetzte oder – Idealzustand – jemand aus dem späteren Zuhörerkreis.
  3. Arbeiten Sie an den Schwachpunkten Ihrer Inhalte („wunder Punkt“) damit Sie vorbereitet sind, wenn Ihr Publikum Sie darauf anspricht. Diese Vorbereitung hat den unbezahlbaren Vorteil, dass Sie aufgrund der investierten Vorbereitung deutlich souveräner auch bei diesen Inhalten auftreten und Sie nicht mit Händen und Körpersprache signalisieren, dass Sie gerade Ihren Schwachpunkt offenlegen. Passiert Ihnen dies aber doch, dann werfen Sie mal einen Blick in unsere Tipps zu dieser Situation: Puls 180 - die falsche Frage kommt.

Hinweis: Wenn Sie sich etwas komisch vorkommen, einen Vortrag „trocken“ zu üben und dabei laut zu sprechen, dann habe ich eine Frage an Sie: Glauben Sie, dass Film-Schauspieler ein Drehbuch ein einziges Mal lesen, dann zu den Aufnahmen gehen und in einem einzigen Durchgang alles abgedreht wird? Sehen Sie, wenn schon Schauspieler mit Millionen-Gagen ihre Rollen vorher laut durchsprechen und üben, dann dürfen Sie das auch.

 

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